Vorstellungen und Notwendigkeiten für einen methodisch wie didaktisch verantworteten Umgang mit nichtsprachlichen Dokumenten - hier: Film
Die bereits in den 60er Jahren ("Lesebuchdiskussion") von Helmers postulierte Erweiterung der für den Unterricht verfügbaren Informationsträger durch das Medium Film findet erst Ende der 90er eine fast angemessene Berücksichtigung vor allem in den Lehrplänen der Sekundarstufe II. Und hier sind es nicht nur die sprachlichen und ästhetische Fächer, die sich des "erweiterten Textbegriffs" bedienen, sondern auch die im weitesten Sinn sozialwissenschaftlich orientierten Bildungsangebote, die zunehmend auf die Informationen des Mediums Film zurückgreifen, der ohnehin als wesentlichster Kulturträger zu akzeptieren ist.
Auch für die Interessen der Erziehungswissenschaften steht hier eine Informationsquelle zur Verfügung, die weit über die rein kognitiven Erfahrungen hinaus einen emotionalen Erfahrungsraum bereitstellt, der - dessen ungeachtet - eines hermeneutischen Zugriffs bedarf.
Damit dieser realisiert werden kann, muss es dem einzelnen Rezipienten ermöglicht werden einen individuellen Zugriff auf den "Text" zu leisten. Ähnlich aber dennoch in weit umfangreicherem Maß wie bei der Rezeption von Printtexten entsteht die Realisation von Inhalten wesentlich nicht durch die Beantwortung der Frage "Was will der Autor/Regisseur mit diesem Text/Film sagen?", sondern vielmehr durch das phantasievolle Gegenübertreten von Medium und Rezipient, durch das - gängigen Kommunikationsmodellen folgend - schöpferisch etwas Neues entsteht.
Diesen beiden axiomatischen Annahmen folgend muss es Aufgabe in der Lehrerausbildung sein, die Studierenden einem kreativen, produkt(ions)orientierten Rezeptionsverständnis zuzuführen, das Voraussetzung für einen schülerorientiereten und selbstverantworteten Unterricht ist.
Die Konsequenzen für die erste Phase der Lehrerausbildung sind so wesentlich auf drei Momente bezogen:
Individueller Dokumentenzugriff durch konsequenten Einsatz der Neuen Medien, denn nur diese ermöglichen das Handhaben des Films wie einen Printtext
Herstellung von Leseverstehen, das sich als ein aus der Detailanalyse entwickeltes kreatives Tun versteht
Grundsätzliche Hinterfragung gängiger Zugriffs- wie Vermittlungsweisen, die Möglichkeiten der
Akzeptanz der methodisch wie didaktisch gegebenen neuen Möglichkeiten durch die digitalen Medien, die die wesendliche Ursache veränderter Wahrnehmungsstrukturen, -weisen sind.
Das heißt konkret:
Einführung und Vertiefung in die PC-gestützte Filmanalyse
Kennen lernen von und Üben mit prozessrelevanten Soft- und Hardwaremöglichkeiten im Kontext voraussetzungsnotwendiger Lesehandlungskompetenz
Entwicklung von interessegeleiteter Analysekompetenz auf der Grundlage der o.g. Lesehandlungskompetenz
Ästhetische wie wahrnehmungstheoretische Zugriffe auf ausgewählte Filmdokumente
Paradigmatische wie syntagmatische Verstehenszusammenhänge im Kontext semiotischer Fragestellungen
Zusammenführung von optischen Mustern mit geistigen Erfahrungen als Verhältnis von Diegesis und Ausdruck
Vorstellung, Entwicklung, Diskussion von Unterrichtsmodellen vor dem Hintergrund fachspezifischer Curricula und Lehrpläne
Konzeptentwicklung, Erprobung und Evaluation; dabei:
Klärung von Produktions- und Distributionsfragen
Sicherung im Zusammenhang von Fragen zu Kopierschutz, Urheberrecht und Zitierweisen
Mögliche Kooperationen mit Schulen unterschiedlicher Provenienz
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